Die gesamte Hilfsaktion der Provinz Bozen wird vom Landesamt für Zivilschutz koordiniert und geschieht im Auftrag der Landesregierung.
Bis Mitte Juni verpflegten die rund zehn Freiwilligen des Weißen Kreuzes täglich bis zu 600 (heute 350) Erdbebengeschädigte weiter mit drei warmen Mahlzeiten. Das Zeltlager befindet sich im Vorort von L’Aquila, Sant’Elia.
Viele der Geschädigten trauen sich noch nicht, in ihre Häuser zurückzukehren. Oft können sie noch nicht kochen, weil ihnen noch die Gaszufuhr oder sonst etwas Lebensnotwendiges fehlt. Daher bleiben sie noch im Lager. Besonders die Kinder haben Angst, in die noch beschädigten Häuser zurückzukehren und können nachts nicht schlafen.
Die Freiwilligen der Notfallseelsorge des Weißen Kreuzes stehen den Obdachlosen mit Trost und psychologischer Hilfestellung bei. Die Lage der noch immer Tausenden Obdachlosen muss spätestens mit Wintereinzug durch stabile Unterkünfte gelöst werden.
Norbert Redolfi aus Lana, Mitarbeiter der Abteilung Technik, koordiniert den Einsatz des Weißen Kreuzes in S. Elia. Er organisiert die Verpflegung der 350 Zeltlagerbewohner mit.
WK: "Wie läuft so ein Einsatz eines Freiwilligen, der sich für L'Aquila gemeldet hat, ab?"
Redolfi: "Die neun Frauen und Männer, die sich gemeldet haben, starten am ersten Einsatztag um 3 Uhr früh in Bozen. Am Vormittag gelangt man ins Lager. Um 10.30 Uhr beginnen die Vorbrereitungen für das Mittagsessen. Man arbeitet bis 3 Uhr, dann Pause bis 17:30 Uhr. Nach der Verteilung und dem Abräumen des Abendessens ist es meist schon 22.30 Uhr. Wir organisieren für die freiwilligen Helfer oft eine Rundfahrt in der Stadt , aber nach einem durchschnittlich Acht-Stunden-Tag sind die meisten geschafft."
"Helfen die BewohnerInnen denn mit?"
Redolfi: "Ja, freilich, zwischen zwei und sechs Personen sind immer dabei. Einer der Rentner hilft uns beim Einkauf, der notgedrungen recht bürokratisch abläuft (mit Bestellung etc.) Zwei Köche kochen im 6-Tage-Rhythmus. Und die Freiwillige Feuerwehr aus Südtirol ist für die technische Instandhaltung des Lagers zuständig."
"Wie setzt sich die Lagerbevölkerung sozial zusammen?"
Redolfi: "Alles durchmischt, Familien mit Babies, Rentner, alles. Viele schlafen nur hier im Lager, weil sie in ihren inzwischen sicheren Häusern aus Angst nicht schlafen können. Besonders Kinder haben sich vom ursprünglichen Nacht-Schock noch nicht erholt."
"Welche organisatorischen Probleme haben Sie im Lager?"
"Es läuft - fast wider Erwarten - alles recht friedlich ab. Die meisten Leute gehen ihrer Arbeit nach. Mit den großen Tag-Nacht-Temperaturunterschiede haben die BewohnerInnen es schwer. Auf rd. 800 Meereshöhe steigt das Quecksilber nicht über die 10-Grad-Markierung. Und tagsüber hat's 30 Grad! Es gibt eine Menge Streuner, aber für sie haben wir die "Villa Moser" errichtet, ein Haustiereauffanglager! Alle beohner sind sehr herzlich, überall wird man freundlich empfangen und es ist ganz augenscheinlich, dass unsere Hilfe aus Südtirol dort sehr geschätzt wird."